
Über Kreislaufwirtschaft im Bauwesen wird oft gesprochen, aber selten konkret umgesetzt. Wie stellt man sicher, dass Materialien nicht nur heute ihre Funktion erfüllen, sondern auch in Zukunft wiederverwendbar bleiben?
Bei den neuen Büroräumen des Architekturbüros AST77 stand diese Frage im Mittelpunkt. Das Ergebnis ist eine durchdachte Dachkonstruktion, in der Demontierbarkeit, Langlebigkeit und Wiederverwendbarkeit vereint sind.
Bei klassischen Bauprojekten liegt der Schwerpunkt auf der Fertigstellung: Leistung, Budget und Ausführung. Was danach mit den Materialien geschieht, wird bei der Planung selten berücksichtigt.
Beim Architekturbüro AST77 wurde diese Logik bewusst umgekehrt.
„Die Frage ist nicht nur, wie wir bauen, sondern auch, wie wir das später wieder abbauen“, sagt der Architekt und Geschäftsführer Peter Van Impe.
Diese Denkweise bildet den Kern des zirkulären Bauens: Man betrachtet nicht nur die erste Lebensphase eines Gebäudes, sondern auch, was danach noch möglich ist.
Kreislaufwirtschaft wird oft auf die Wahl nachhaltiger Materialien reduziert. In der Praxis liegt die größte Wirkung jedoch in der Art und Weise, wie ein Gebäude errichtet wird.
Wenn Materialien dauerhaft miteinander verbunden werden, verlieren sie bei der Demontage ihren Wert. Eine Wiederverwendung wird dann schwierig oder unmöglich.
Deshalb entschied man sich bei diesem Projekt für einen anderen Ansatz: eine Dachkonstruktion, bei der die verschiedenen Schichten demontierbar und voneinander trennbar sind.
Nicht als theoretisches Prinzip, sondern als konkrete gestalterische Entscheidung.
Auf dem Dach wurde das BossCover System verwendet: eine Konstruktion, die es ermöglicht, die verschiedenen Komponenten in Zukunft wieder zu demontieren und wiederzuverwenden.
Das bedeutet, dass der Dachaufbau nicht mehr nur ein Endpunkt ist, sondern ein System, das sich über mehrere Lebenszyklen hinweg weiterentwickeln kann.
Ein wichtiger Bestandteil dieses Projekts ist die Verwendung von wiederverwerteter Dämmung, die über CPE von einer anderen Baustelle zurückgewonnen wurde. Durch diese Wiederverwendung wird die Lebensdauer der Materialien verlängert und der Bedarf an neuen Rohstoffen verringert.
Diese Kombination macht das Projekt im Rahmen der Kreislaufwirtschaft besonders relevant.
Neben der Demontierbarkeit spielt auch die Lebensdauer eine entscheidende Rolle.
Für die Dachabdichtung wurde EPDM gewählt, ein Material mit einer nachgewiesenen Lebensdauer von 70 Jahren und mehr. Das bedeutet, dass das Dach über mehrere Jahrzehnte hinweg seine Funktion erfüllen kann, ohne dass ein Austausch erforderlich ist.
In einem Kreislaufkonzept ist das entscheidend: Je länger ein Material hält, desto geringer ist die Gesamtbelastung über den gesamten Lebenszyklus. In Kombination mit einer demontierbaren Konstruktion entsteht so ein System, das nicht nur heute leistungsfähig ist, sondern auch zukunftsorientiert konzipiert wurde.
Dieses Projekt zeigt vor allem, dass zirkuläres Bauen bereits heute problemlos möglich ist.
Nicht als Experiment oder Nischenanwendung, sondern als realistische Option. Vorausgesetzt, dass dies von Anfang an in die Planung einbezogen wird.
Indem man in demontierbaren Systemen denkt, langlebige Materialien kombiniert und die Wiederverwendung aktiv integriert, verändert sich die Rolle der Dachkonstruktion.
Von einer Endlösung zu einem zukunftsfähigen System.